Was ist Morbus Gaucher?

Morbus Gaucher ist eine autosomal rezessive Krankheit und die am häufigsten vorkommende lysosomale Speicherkrankheit mit einer Häufigkeitsrate von etwa 1 zu 20.000 Personen. Es wird durch einen Mangel eines spezifischen Enzyms (Glukozerebrosidase) im Körper verursacht, der wiederum durch eine von beiden Elternteilen vererbten genetischen Mutation verursacht wird (autosomal rezessive Vererbung). Dieser führt zur Anreicherung des Substrats Glukozerebrosid, welches in Milz, Leber, Nieren, Lungen, Gehirn und Knochenmark eingelagert wird. Jeder Krankheitsverlauf kann unterschiedlich sein, die Variationen reichen von keinelei äußerlichen Symptomen bis hin zu schwerer Behinderung und Tod.

Gaucher Zelle

Die Symptome sind u.a. vergrößerte Milz und Leber, Funktionsstörung der Leber, Knochenkrankheiten oder schmerzhafte Knochendefekte, neurologische Komplikationen, Anschwellen der Lymphknoten und (gelegentlich) Gelenkdefekte, aufgeblähter Bauch, bräunliche Hautfärbung, Blutarmut, niedrige Blutplättchenzahl und gelbe Fettablagerungen auf der Lederhaut des Auges. Die am schwersten betroffenen Personen können auch für Infektionen anfälliger sein. Trotz der Tatsache, dass Morbus Gaucher aus einem Phänotyp mit unterschiedlichen Schweregraden besteht, wurde dieser, abhängig vom Vorhandensein oder Fehlen einer neurologischen Beteiligung, in drei Subtypen unterteilt.

Morbus Gaucher wird als „Lipidspeicherkrankheit“ bezeichnet, bei der anormale Mengen an Lipiden, sogenannte „Glycosphingolipide“, in speziellen retikuloendothelialen Zellen gespeichert werden. In klassischen Fällen wird der Zellkern an den Rand der Zelle geschoben und die Zelle mit anormalen Lipiden gefüllt.

Morbus Gaucher Typen

Typ I, der häufigste, auch ’nicht-neuropathischer‘ Typ genannt, zeichnet sich durch die oben genannten Probleme auf. Es wird oft als Erwachsenen-Form bezeichnet, obwohl dessen Ursache schon bei der Empfängnis vorhanden ist. Das mediane Alter bei der Diagnose ist 28 Jahre und die Lebenserwartung ist leicht verkürzt. In den meisten Fällen gibt es keine wesentlichen neurologischen Symptome.

Typ II
, auch akuter neuronopathischer Morbus Gaucher genannt, tritt selten auf und zeichnet sich durch schnell fortschreitende neurologische Probleme in Neugeborenen aus. Früher als infantiler Morbus Gaucher bezeichnet, zeichnet sich Typ II durch schwere neurologische Beteiligung im ersten Lebensjahr aus. Weniger als 1 in 100.000 Neugeborenen haben Typ 2. Die Prognose ist düster: wegen der schweren Beteiligung des Nervensystems wird ein betroffenes Kind in den seltensten Fällen älter als 2 Jahre.

Typ III, auch neuronopathischer Morbus Gaucher genannt, ist auch sehr selten aber im Gegensatz zu Typ II wird er durch langsam fortschreitende neurologische Symptome charakterisiert. Die Zeichen und Symptome für einen Morbus Gaucher Typ III treten später in der Kindheit auf als die Symptome beim Typ II.

Der Entdecker von Morbus Gaucher

Philippe Charles Ernest Gaucher (26. Juli 1854 – 25. Januar 1918) war ein im Departement Nièvre geborener, französischer Dermatologe.

Seine medizinische Doktorwürde erhielt er in 1882, und bald darauf leitete er eine medizinische Klinik am Necker Krankenhaus. In den nachfolgenden Jahren lehrte er an verschiedenen Krankenhauskliniken in Paris. Er unterrichtete pathologische Anatomie, Bakteriologie und Geschichte, sowie Dermatologie. Im Jahre 1902 übernahm er an der Universität als Nachfolger von Jean Alfred Fournier (1832-1914) den Lehrstuhl für Dermatologie und Syphilographie. Gaucher gründete auch eine Fachzeitschrift für Geschlechtskrankheiten unter dem Titel Annales des Maladies Vénériennes.

Gaucher wird uns für seine Beschreibung der Krankheit, die als Morbus Gaucher bekannt wurde, in Erinnerung bleiben. 1882, als er noch Student war, entdeckte er die Krankheit an einer 32-Jahre-alten Frau, die eine vergrößerte Milz hatte. Zu jener Zeit dachte Gaucher, es sei eine Form von Milzkrebs, und veröffentlichte seine Ergebnisse in seiner Doktorarbeit unter dem Titel „De l’epithelioma primitif de la rate, hypertrophie idiopathique de la rate sans leucemie“. Die wahre biochemische Natur des Morbus Gaucher wurde jedoch erst 1965 entschlüsselt.

Therapien zur Behandlung von Morbus Gaucher

Zurzeit sind zwei verschiedene Therapieansätze für Gaucher Patienten zugelassen:

  • Enzymersatztherapie (ERT) und
  • Substratreduktionstherapie (SRT).

Andere Behandlungsmöglichkeiten, z.B. Gentherapie und Chaperontherapie befinden sich in der Entwicklungsphase. Zurzeit werden auch einige Klinische Studien an Patienten mit Morbus Gaucher durchgeführt.

Enzymersatzherapie
In der ERT wird das fehlende bzw. defekte Enzym (Glukozerebrosidase) durch ein funktionales Enzym ersetzt. Dieses Enzym übernimmt die Funktion des defekten Enzyms des Patienten und zersetzt das Substrat des akkumulierten Enzyms (Glucocerebrosid). Das Enzym wird über die gesamte Lebensdauer des Patienten in regelmäßigen Abständen intravenös verabreicht.

Zurzeit sind zwei ERT-Präparate für den Markt zugelassen: Cerezyme© (Imiglucerase, hergestellt von Genzyme) und VPRIV© (Velaglucerase alfa, hergestellt von Shire).

Substratreduktionstherapie
In der SRT wird die Bildung des Enzymsubstrats (Glukozerebrosid) durch eine niedermolekulare Verbindung (“kleines Molekül“) gehemmt. Demzufolge haben die Zellen weniger Substrat und die Akkumulation wird gestoppt. Der Hemmstoff wird oral als Tablette verabreicht.
Die zugelassene SRT Behandlung heißt Zavesca© (Miglustat, hergestellt von Actelion).

 

Stationen einer Patientengeschichte

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Leitlinien zu Morbus Gaucher, anerkannt im März 2006

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Therapierichtlinien aus dem Jahr 2000


Diagnose und Therapie des Morbus Gaucher